Ein Brief von meinem Bruder
Eindruck von Joshua Conens
Ein Statement.
Ich möchte zu Beging ein Zitat von Florian Lück anbringen was alles das zusammenfasst, was es bedeutet in der heutigen Zeit aktiv zu werden „und sein Ding zu machen“, wie es mein voller Eindruck von dem ist wie Joshua sich bewegt in der heutigen Zeit:
Meines Erachtens nach können wir uns heute nicht mehr leisten, bei allem was zu tun ist zu warten bis es staatlich anerkannt und öffentlich finanziert ist. Die Zeit schreit danach, Verantwortung zu übernehmen, initiativ zu werden und sich mit dem, was man individuell beitragen kann zu beteiligen.
Nachdem ich, nun in der Reihenfolge den dritten Film zum zweiten Mal gesehen habe, ist mir der Gedanke gekommen dir etwas schreiben zu wollen.
Ich möchte hiermit und im Folgenden vor allem meinen Respekt dafür aussprechen, wie du es schaffst, immer wieder aufs Neue loszulaufen und das was kommen will, in die Welt zu stellen, dich in die Welt zu stellen.
Mir ist aufgefallen nach dem Film wie viel du bis jetzt in die Welt gesetzt hast, wie viel du ins Leben gerufen hast.
In Erinnerung ist mir z.B. die Punkband mit einigen Auftritten und einem ganzen selbstproduzierten Album gekommen! Des Weiteren Yumendo und der Ausstieg aus dem Abitur. Ein Schritt im Vertrauen. Du hast nur die 20 Meter von deinen Autoscheinwerfern gesehen, aber du wusstest du fährst auf dem richtigen Weg und du bist weiter gefahren.
Auf deinem Weg. Drei komplette Filme sind produziert mit deutlichem Steigerungseffekt!
Das spricht für sich, wenn man es genauer betrachtet. Und es spiegelt, wenn man bei deiner Arbeit dabei sein durfte, konnte und wollte, was es braucht damit eine Steigerung stattfinden kann. Wie viele Kontakte neu geknüpft werden müssen, neue Kombinationen der Möglichkeiten werden gesehen, gefunden erschlossen. Gespräche müssen geführt werden, Verantwortung muss übernommen werden, Geld muss organisiert werden.
Das alles hast du immer und immer wieder ohne unterlass gemacht. Es braucht aber vor allem viel Bewusstsein und damit einhergehend, den Impuls über die Dinge nachzudenken, sich und das was ist um sich herum, in Frage zu stellen.
Ist es genug so wie es ist?
Reicht das aus?
Will ich mehr?
Finde ich mich mit dem ab was auf mich zu kommt, was schon da ist?
Will ich was Neues? Will ich mich an die Welt oder die Welt an mich anpassen?
Letztendlich ein Thema eures neuen Projektes: Träumer und Realisten.
Und auch in dem letzten Film ist zu sehen, dass es Geschichte hatte. Im Interview sprecht ihr von einem Zeitraum von zwei Jahren. Viel ist passiert, viel Arbeit wurde aufgewendet und wie unheimlich wichtig für die heutige Zeit, du spannend bei der Premiere erwähnt hast, haben alle Menschen, und es waren viele, ohne einen Cent für diesen Film gearbeitet. Es war teils sogar andersrum, das sie investiert haben.
Woher kommt dieser Impuls? Was ist Notwendig mit jungen Menschen so etwas zu machen? Wie können „erwachsene“ dazu beitragen und der Jugend helfen?
Ich konnte sehen wie der Inhalt des Filmes in dem Prozess der Herstellung, sich verselbstständigte und Realität wurde, außerhalb des Filmes. Ein Film im Film, oder ein Projekt im Projekt. Zu dem aufgebauten Set des Kulturortes, gesellten sich die Menschen plötzlich gerne und es entstand ein Kulturort nicht nur im Film!
Was ist nötig damit so was entsteht?
Ich habe mich, wenn ich deine Arbeit betrachte stark an R. Steiner erinnert, der Tag und Nacht gearbeitet hat und ein Werk in die Welt gestellt hat was unglaublich ist. Nicht nur seine „theoretischen“ Schriften und Vorträge, die meiner Vorstellung der Machbarkeit überschreiten, sondern auch alles Praktische hat er durch sich hervorbringen können. Ich meine, man sagt ihm nach, er wäre ein Mann der Tat gewesen.
So bin ich umso mehr tief beeindruckt von den Bewegungen die du vollführst.
Doris fragte mich noch vor dem Film, ob ihr damit Geld verdient? Oder wie ihr den leben könnt? Weil man müsste ja leben!
Was heißt eigentlich Leben?
Du stellst ein Exampel für die Möglichkeiten heutzutage, die Machbarkeiten in den Raum und in die Zeit.
Das eine ist, das zu tun was du wirklich, wirklich willst, und das machst du. Und selbst bei dem Endgültigen Produkt, der DVD, jetzt kann man sie in den Händen halten, seit ihr wach und sagt nicht, nun wollen wir uns endlich auszahlen lassen, nein, sondern selbst im letzten Zuge seid ihr am Puls der Zeit und gestaltet es frei, demjenigen die Zahlungsoption offen zu lassen, die er bevorzugt!
Es geht um was anderes. Über Geld wurde noch zu wenig gesprochen. Und es wäre zu einfach Filme zu machen um Geld zu verdienen.
Wim Wenders würde euch da bestätigen.
Das ist gelebter Optimismus, gelebtes Vertrauen auf die Machbarkeit der Dinge die in euch, in dir liegen und raus können. Es funktioniert.
Und dafür nimmst du die „harte“ Realität in kauf, das du schauen musst woher du deine Brötchen kaufst. Es ist an einer Hand abzulesen wie viel am Ende des Monats übrig bleibt. Es ist deutlich: Arbeit sucht Einkommen!
Und trotzdem wendet ihr den Blick auf das was die Zeit fordert, was raus muss, was ein Kuhdorf wie Witten braucht! Ein Kulturort für junge Menschen. Euer Blick geht nicht da hin, euer größtes Glück darin zu finden, keine Geldsorgen mehr zu haben.
Das was es an Arbeit kostet euch verpflegen zu können, wohnen zu können, so scheint mir, wiegt die Arbeit dir Ihr macht, die Arbeit die ihr wirklich, wirklich wollt, um das 100 fache wieder auf.
Es ist ein starker Wille der hinter alle dem steht und eine starke Überzeugung.
Selbst Waldorflehrer haben sich gefragt, woher nehmt ihr solch ein Urvertrauen, das ihr mit solch einem Mut „einfach“ das macht was ihr macht und authentisch dabei bleibt?!
Solche Fragen sprechen für sich und sind für unsere Gesellschaft ein Armutszeugnis.
Es darf nicht verschwiegen werden, dass Jedermann dich als PC - Junky kennt und sich des Öfteren über dein gesundheitlichen Zustand die ein oder andere Sorge macht, wenn du aus bleichem Gesicht, erschöpft, etwas abgemagert, aus roten Augen schaust, Kaffee brauchst weil deine Kopfschmerzen glühen.
Workerholiker, keine Frage. Aber auch diese Seite wird von dir beleuchtet und bearbeitet, genauso wie die meisten Bewegungen während du arbeitest.
Was alles nötig war um diesen Film zu realisieren, ist schwer nachzuvollziehen.
Wenn wir Badmann 3 sec durch New York fliegen sehen, können wir uns auch nicht vorstellen, wie viele Spezialisten Tag und Nacht daran gearbeitet haben, das der scheiß Badmann sich in jedem Fenster spiegelt. Soviel Energie für so wenig Veränderung auf er Welt!
Ich habe aber den Eindruck, dass dein Einsatz mit der Qualität des Ergebnisses übereinstimmt. Es hat Bezug zur Realität. Sichtbar gewordene Idee. Eine Idee umzusetzen, darum geht es heut zu Tage.
Wie mach ich das? Du beantwortest diese Frage mit Taten.
Mir ist es wichtig dies Auszusprechen um es auszusprechen. Es ist mir bewusst das du weist, was du machst, was du bewirkst, was du sähst. Ich möchte deine Arbeit hiermit noch mal bekräftigen und auch von meinem Gefühl bestätigen.
Es ist richtig für JETZT!
Wir brauchen dich!
Es muss so weiter gehen und weitere Feuer entfacht werden, damit wir nicht wieder dem Alten das Spielfeld überlassen, uns nicht immer und immer wieder von alten Gewohnheiten, alten Ansichten, Weltanschauungen, Verhaltensmustern, aufhalten lassen, endlich das zu tun was wir wollen und das mit dem zu verbinden was wir können!
Träumer sind Realisten.
Marian
Brasilien (http://www.marian.eu.ki/), den 2. Januar 2010
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