Lernen in Freiheit
In den letzten beiden Wochen war ich wieder sehr viel unterwegs: EinLeben zeigen im Süden. Dabei entstanden auch viele Treffen mit bekannten und neuen Leuten, viele interessante Gespräche.
Dabei ist mir ein Aspekt besonders wichtig, auf den ich kurz versuchen will einzugehen, weil das schon sehr lange eine Frage für mich ist: letztendlich die Frage nach dem Lernen.
Ich glaube, dass ist ein Stück weit eben auch eine Lebensfrage von mir, die vor allem mit Yumendo begonnen hat. Und sich aber jetzt immer weiter zieht durch die Frage nach einer Ausbildung. Dabei interessiert mich am meisten die Frage, wie man an das Wissen kommt und inwiefern es dafür Lehrer braucht und wenn ja, was deren Aufgabe ist.
Auch gerade was Kinder angeht, war das für mich immer wieder eine Frage und ich war und bin mir nach wie vor z.B. nicht so sicher, soweit ich mir das abstrakt überlegen kann, ob ich meine Kinder in die Schule schicken würde.
Was mir dabei nämlich immer aufstößt ist dieses Bild, dass wir den Kindern etwas beibringen müssen.
Insofern ist also das Entscheidende für mich die Freiheitsfrage. Inwiefern kriegen wir das Lernen in die Freiheit, dass ich aus einem eigenen, freien Impuls lerne. Ich erlebe oft, dass Lernen etwas aufgezwungenes ist, dass man lernen muss, weil Bildung wichtig ist. Und wenn man nichts gelernt hat, dann wird nichts aus einem. Deshalb muss man gewährleisten, dass jeder lernt und also wird es verordnet und man wird dazu gezwungen.
Ich erlebe aber an mir selbst und durch die verschiedenen Projekte, die ich gemacht habe, dass Menschen aus sich heraus einen Impuls einwickeln können, etwas lernen zu wollen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass auch Kinder diesen haben.
Deshalb meine Frage, warum muss ein Kind lesen und schreiben lernen? Warum macht keiner ernst damit, zu sagen, entweder jemand wird es brauchen und dann wird er es lernen oder eben nicht.
Man muss nicht Film studieren um gute Filme zu machen. Man muss ein Interesse haben und dann wird man dem nach gehen und Vertiefung suchen. Das ist Bildung.
In einem Gespräch mit einem Freund, der Lehrer und Vater von 4 Kindern ist, wurde für mich noch mal ein schönes Bild deutlich im Bezug auf das Lernen von Kindern:
Sie wissen eigentlich alles selber. Es geht nicht darum, ihnen etwas beizubringen. Sie wissen selber was Sache ist, was sie wollen, was ihnen wichtig ist. Das Problem ist nur, dass sie es nicht formulieren können, dass sie kein klares Bewusstsein dafür haben. Deshalb ist es die Aufgabe als "älterer" Mensch, als Eltern, als Pädagoge oder warum auch immer man mit Kindern zu tun hat, herauszuhören, zu sehen, zu fühlen, was Kinder meinen, was sie einem mitteilen wollen. Herauszufinden, auf welche Art sie versuchen mir mitzuteilen, wie es ihnen geht, was sie wollen, was ihnen wichtig ist etc.
Und dann komme ich eben aus dieser Autorität raus, aus dem Bevormunden, aus dem Zwang. Weil es nicht darum geht, jemandem anderes zu sagen, was für ihn richtig ist, was er tun muss, auch nicht Kindern.
Das bedeutet mir sehr viel, weil ich glaube, dass da ein wirklicher Freiheitsmoment gelebt werden kann, der wahrscheinlich viel verändert, wenn Kinder diesen von Anfang an mit auf den Weg bekommen.
Und ich glaube, das Schöne daran ist, dass es ja dann nicht mehr darum geht, dass man Kindern nichts verbieten darf. Man bewegt sich dann auf einer Ebene darüber, oder darunter, wo es um ein wahrnehmen dessen geht, was das Kind mir eigentlich mitteilen möchte, was ihm wirklich wichtig ist. Und dabei geht es oft nicht um die logische, verbale Kommunikation, wie wir sie gewöhnt sind.
Es geht nicht darum, anderen Menschen die Welt zu erklären. Was man grundsätzlich als ernst zu nehmende Bildung versteht ist heutzutage in den meisten Fallen institutionalisiert. Und dabei erlebe ich fast immer dieses Bild, dass es Lehrer gibt, oder Dozenten, oder Meister, oder Prof´s, deren Aufgabe es ist, unwissenden die Welt zu erklären. Deswegen zieht es mich überhaupt nicht an eine Uni oder in eine Ausbildung. Auch wenn es hier ganz sicher Ausnahmen gibt!
Ich sehe an vielen Stellen einen Impuls und ein Wissen darum, dass das Entscheidende immer weniger das abfragbare, das abstrakte, das gezwungene, das auswendig gelernte Wissen ist. Es geht immer mehr darum, das einzelne, konkrete Menschen in sich selbst etwas erleben, etwas vorfinden, dass zu einem unwiderstehlichen Antrieb wird, etwas tun zu wollen, etwas wissen zu wollen, etwas verändern zu wollen. Und daheraus entsteht ein wirklicher Impuls etwas zu verstehen, etwas zu erkennen. Und ich glaube jeder Mensch, der dieses Erlebnis hatte, diese innere Klarheit, der wird verrückt dabei, wenn ihm dann andere Menschen meinen von oben herab erklären zu müssen und zu können, wie es genau funktioniert, was richtig ist.
Lernen in Freiheit heißt für mich, dass jeder Mensch für sich selbst die höchste Instanz ist. Jeder kann nur für sich selbst einen Punkt finden, aus dem ein wirkliches Interesse entsteht. Und jeder Mensch hat die Anlage dazu. Insofern ist die große Aufgabe, Möglichkeiten, Freiräume zu schaffen, das Menschen diesen Impuls in sich entdecken und kultivieren können. Und dann besteht die Aufgabe darin, ihn darin zu unterstützen, was er selber als Frage hat, mit ihm zusammen zu fragen und wirklich Neues zu erkennen, gemeinsam nach Erkenntnis zu ringen. Die Fragen die jemand stellt vertiefen und nicht Antworten geben auf Fragen die garnicht gestellt wurden.
Dieses Verständnis trägt meines Wissen nach unter anderem die Waldorfpädagogik in sich. In der Praxis erlebe ich diesen dort jedoch sehr selten.
Das Ganze ist für mich auch nur an einigen Stellen klar und an vielen Stellen weiterhin eine große Frage und kann und soll somit nur als ein Zwischenbericht verstanden werden.
Fragen Anregungen, Ergänzungen herzlich willkommen.
1 Kommentare:
Danke fuer dein Text, lese ich immer gerne meister sehr bereichernd!
Was ich mit meinen kindern mache,...vielleicht auch andersrum, was machen die kinder mit mir? das ich mich so verhalte wie ich mich dan verhalte...werde ich auf mich zurueckgeworfen, bekomme ichs bei kindern mit der angst zu tun, vielleicht?!
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